
Almabtrieb 2026 in der Schweiz, Deutschland und Österreich
Almabtrieb, Alpabzug oder Viehscheid? Warum Kühe Blumen tragen, wie der Brauch wo heisst und wo die Tiere 2026 in CH, DE und AT heimkehren.
Stell dir vor, du sitzt an einem Samstagmorgen im September mit einem Kaffee vor deinem Camper. Die Wiese ist noch nass vom Tau, und von unten aus dem Tal hörst du Glocken, zuerst leise und dann immer deutlicher. Also gehst du die paar Minuten ins Dorf hinunter und stellst dich an den Strassenrand, gerade als die erste Kuh um die Kurve biegt, mit einem Blumenkranz auf dem Kopf. Hinter dir fragt jemand: «Ist das ein Viehscheid?» «Nein, das ist ein Almabtrieb», antwortet die Frau neben ihm. Eine Einheimische dreht sich um und lacht: «Bei uns heisst das Alpabzug.»
Recht haben am Ende alle drei. Hier erfährst du, warum derselbe Brauch so viele Namen hat und wo du ihn 2026 in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich noch erleben kannst.
Was ist ein Almabtrieb?
Beim Almabtrieb kehren Kühe und Rinder im Herbst von den Hochweiden in die Dörfer im Tal zurück, vielerorts auch Schafe, Ziegen oder Pferde. Den Sommer über haben sie auf der Alm oder Alp gegrast, betreut von Sennen und Hirt:innen. Wenn die Tage kürzer werden und oben das Gras knapp wird, geht es hinunter, meist zwischen Ende August und Mitte Oktober.
Aus diesem Heimweg ist in vielen Orten ein Fest geworden, mit geschmückten Tieren und einem Markt im Dorf. Wie viele Tiere daran beteiligt sind, zeigen zwei Zahlen: Im Allgäu kommen beim Viehscheid laut Allgäu GmbH rund 30'000 Rinder von etwa 690 Alpen ins Tal. In der Schweiz verbringen nach Angaben von Schweiz Tourismus jeden Sommer rund 400'000 Rinder sowie 200'000 Schafe und Ziegen auf der Alp.
Seit dem 5. Dezember 2023 steht die Schweizer Alpsaison, zu der Alpaufzug und Alpabzug gehören, auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit.

Almabtrieb, Alpabzug, Viehscheid: ein kleines Wörterbuch
Die Kühe machen überall ungefähr dasselbe. Sie laufen den Berg hinunter und bleiben zwischendurch stehen, weil am Wegrand noch ein Büschel Gras wächst. Wie man das nennt, hängt davon ab, wo du gerade stehst. Manchmal reicht dafür eine Landesgrenze, manchmal schon das nächste Tal.
Almabtrieb ist das Wort, das die meisten kennen. Es kommt aus Österreich und Bayern, wo die Sommerweide Alm heisst. Der Abtrieb ist der Weg nach unten, im Frühling heisst das Gegenstück Almauftrieb.
Alpabzug sagt man in der Schweiz. Die Weide heisst hier Alp, und die Herde zieht ab, statt getrieben zu werden. Mit Sennen in Tracht und Glocken im Gleichschritt wirkt das tatsächlich oft wie ein geordneter Abzug.
Alpabfahrt hörst du zum Beispiel im Appenzellerland und im Entlebuch. Gefahren wird dabei nichts, gelaufen wird dafür umso mehr. Den Weg hinauf im Frühling nennt man dort Alpfahrt.
Viehscheid ist das Wort im Allgäu und im Kleinwalsertal, das zwar zu Österreich gehört, mit dem Auto aber nur über das Allgäu erreichbar ist. Der Name klingt nach Trennung und meint auch eine: Am Scheidplatz wird die gemischte Herde wieder nach Bauernfamilien sortiert. Die Weide heisst im Allgäu übrigens Alpe, mit e am Schluss.
Alpabtrieb sagt man in Vorarlberg. Das klingt ein wenig wie ein Kompromiss aus Schweizer Alp und österreichischem Abtrieb, was für ein Land zwischen der Schweiz und dem Rest Österreichs ganz gut passt.
Danach wird es richtig vielfältig. Im Saanenland rund um Gstaad heisst der Alpabzug Züglete, schweizerdeutsch für Umzug. In der Westschweiz ist es die Désalpe, begleitet von den Armaillis, wie die Sennen in der Gruyère heissen. In der rätoromanischen Surselva sagt man Scargada, frei übersetzt Alpentladung. Tirol hat für die Schafe ein eigenes Wort, den Schafschoad oder Schafschied. Und wer in Kelchsau das Hoamfohrfest besucht, feiert einfach die Heimfahrt.

Warum tragen Kühe beim Almabtrieb Blumen?
Der Schmuck ist ein Dank dafür, dass alle Tiere den Sommer auf der Alp ohne Unfall überstanden haben. Ist ein Tier abgestürzt oder gestorben, kommt die Herde vielerorts ungeschmückt ins Tal, so beschreiben es etwa SalzburgerLand Tourismus und die Tourismusregion Berchtesgaden. Eine Herde ohne Kränze erzählt deshalb auch etwas über den Sommer, der hinter ihr liegt. In Tirol sollte der Kopfschmuck früher ausserdem böse Geister vom Heimweg fernhalten.
Den grössten Schmuck trägt meist das Leittier oder die Kuh mit der meisten Milch, und auch dafür hat jede Region ihr eigenes Wort. Im Allgäu ist es das Kranzrind mit seinem Kranz aus Blumen, Kräutern, Zweigen und Bändern. Im Berchtesgadener Land tragen die Kühe einen Fuikl aus Tannenzweigen mit Papierblumen und Rosetten. Laut Tourismusregion Berchtesgaden stecken in einem Fuikl rund 30 Stunden Arbeit, meist in Nachtschichten.
In der Schweiz heisst die Blumenkrone Tschäppl, oft aus Seidenpapier gebastelt, damit sie leichter ist. Je nach Region sitzen stattdessen Kreuze, Holztafeln oder sogar ein umgedrehter Melkstuhl auf dem Kopf. In Brigels in der Surselva heissen die zwei besten Milchkühe Miseriera und tragen geschmückte Tannenbäumchen.

Wann ist Almabtrieb?
Die meisten Almabtriebe finden zwischen Ende August und Mitte Oktober statt, der grösste Teil davon im September. Einen festen Tag gibt es nicht. Die Bauernfamilien richten sich nach dem Wetter und danach, wie lange das Gras oben noch reicht. Im Appenzellerland werden die Alpabfahrten deshalb oft erst ein bis fünf Tage vorher bekannt. Am Königssee im Berchtesgadener Land gibt es gar keine öffentlichen Termine: Dort beginnt der Almabtrieb um den Bartholomätag am 24. August und richtet sich nach dem Wetter.
2026 ist ein besonderes Jahr. Nach dem trockenen Sommer haben viele Alpbetriebe in der Schweiz Tiere früher ins Tal geholt, weil Futter und Trinkwasser knapp wurden. Der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband bezeichnete die Lage im August als flächendeckend kritisch. Die Emmentaler Alpabfahrt in Sumiswald wurde deshalb abgesagt, andere Anlässe wurden vorgezogen.
Prüf den Termin deshalb am Vortag noch einmal beim Veranstalter oder beim Tourismusbüro vor Ort.

Alpabzug in der Schweiz
In der Schweiz heisst der Brauch je nach Sprachregion Alpabzug, Alpabfahrt, Désalpe oder Scargada. Gefeiert wird in vielen Kantonen und oft in Dörfern, deren Namen du ausserhalb der Region selten hörst. Ein paar Beispiele zeigen, wie unterschiedlich das aussehen kann.
Appenzellerland: Vorne laufen Appenzeller Ziegen, oft von Kindern begleitet, dahinter folgen Kühe, Rinder und Kälber. Die Sennen tragen Tracht, der vorderste den bemalten Fahreimer, und ganz am Schluss kommt der Bauer mit seinem Appenzeller Sennenhund, dem Bläss. In Appenzell Innerrhoden ziehen die Herden über den ganzen Spätsommer verteilt ins Tal.
Surselva: Beim Alpabzug in Brigels in Graubünden kommen rund 650 Kühe von fünf Alpen ins Dorf, eine Alp nach der anderen im Stundentakt.
Gruyère: Bei der Désalpe in Charmey im Kanton Freiburg begleiten Armaillis im traditionellen Bredzon ihre Herden durchs Dorf.
Saanenland: Im Berner Oberland beschreibt Gstaad Saanenland Tourismus eine Züglete, die um vier Uhr morgens beginnt. 37 Simmentaler Rinder und Stier Othmar gehen dabei 25 Kilometer von der Alp Mettlen bis nach Saanen.
Justistal: Beim Chästeilet oberhalb von Sigriswil wird zuerst der Alpkäse des Sommers verteilt, erst danach ziehen die Tiere ins Dorf.
Entlebuch: Zur Entlebucher Alpabfahrt in Schüpfheim erwarten die Veranstalter über 300 Tiere und rund 10'000 Gäste.

Viehscheid und Almabtrieb in Deutschland
In Deutschland gibt es den Brauch vor allem in den bayerischen Alpen. Im Allgäu heisst er Viehscheid, in Oberbayern Almabtrieb, und selbst innerhalb Bayerns wird nicht überall gleich gefeiert.
Allgäu: Beim Viehscheid treffen sich die Herden am Scheidplatz, wo die Tiere wieder den einzelnen Bauernfamilien zugeteilt werden. War der Sommer gut, führt das Kranzrind die Herde an. Im Oberallgäu feiern viele Orte an einem eigenen Tag, sodass sich die Termine über rund zwei Wochen im September verteilen.
Königssee: Im Berchtesgadener Land fahren die Kühe tatsächlich. Etwa 30 Rinder von der Saletalm und der Fischunkelalm kommen in Landauern, flachen Holzbooten, in rund einer Stunde über den See. Feste Termine gibt es dafür nicht, den Tag bestimmt das Wetter.
Alpenwelt Karwendel: In Mittenwald, Krün und Wallgau gehören die Almabtriebe zu den Bauernwochen im Herbst, zusammen mit Bauernmärkten und Erntedankumzügen.

Almabtrieb in Österreich
In Österreich ist Almabtrieb das übliche Wort, in Vorarlberg hörst du eher Alpabtrieb und im Kleinwalsertal Viehscheid. Laut Österreich Werbung finden die Feste meist von Anfang September bis Mitte Oktober statt, und längst nicht nur mit Kühen.
Tirol: Neben den Almabtrieben gibt es eigene Schafabtriebe. In Tarrenz kommen beim Schafschied rund tausend Schafe ins Tal. In der Wildschönau geht dem Almabtrieb die Gru-Nacht voraus, die letzte Nacht auf der Alm, und in Ebbs ziehen im Oktober Haflinger-Hengste ins Tal.
Salzburger Land: Hier gehören die Almabtriebe zum Bauernherbst, den viele Orte mit eigenen Festen feiern.
Salzkammergut: Auf der Gruberalm fertigen die Sennerinnen aufwendigen Kopfschmuck für die Tiere.
Steiermark: Die Lipizzaner des Gestüts Piber kehren von der Sommerweide zurück und werden im Hof der Wallfahrtskirche Maria Lankowitz gesegnet.
Vorarlberg: Im Montafon hängt der Alpsommer eng mit dem Käse zusammen. Dort wird seit Jahrhunderten Sura Kees hergestellt, ein Sauermilchkäse.

Almabtrieb-Termine 2026: eine Auswahl
Stand 18.09.2026, geprüft bei Tourismusorganisationen und Veranstaltern. Wetter und Trockenheit können Termine kurzfristig verschieben.
Schweiz
- 19.09.2026: Urnäsch AR, Bauernmarkt mit Alpabfahrt
- 19.09.2026: Flims GR, Alpabzug Flimserstein
- 26.09.2026: Charmey FR, Désalpe
- 26.09.2026: Schüpfheim LU, 21. Entlebucher Alpabfahrt
Deutschland
- 19.09.2026: Immenstadt, Obermaiselstein und Missen im Oberallgäu, Viehscheid
- 19.09.2026: Krün, Almabtrieb mit Dorffest und Bauernmarkt
- 20.09.2026: Mittenwald, Almabtrieb am Festplatz Riedboden
- 22.09.2026: Bolsterlang im Oberallgäu, Viehscheid
Österreich
- 19.09.2026: Riezlern im Kleinwalsertal, Viehscheid
- 19.09.2026: Söll, Westendorf, Fiss und Wildschönau-Auffach in Tirol, Almabtrieb
- 21.09.2026: Tannheim in Tirol, Almabtrieb
- 26.09.2026: Gerlos, Hopfgarten im Brixental, Kelchsau und Neustift im Stubaital, Almabtrieb
- 10.10.2026: Ebbs in Tirol, Almabtrieb der Haflinger-Hengste
Was erwartet dich beim Almabtrieb?
Meist hörst du die Herde, bevor du sie siehst. Die Glocken kommen den Hang herunter, dann biegen die ersten Tiere ins Dorf ein. Bis es so weit ist, wird es oft Vormittag: In Urnäsch treffen die Sennen 2026 ab 9 Uhr ein, in Brigels kommt jede Alp im Stundentakt.
Rund um den Umzug gibt es vielerorts einen Markt mit Alpkäse und anderen Produkten aus der Region, dazu Musik und etwas zu essen. Manche Orte haben ihre eigenen Programmpunkte. In Urnäsch gibt es Säulirennen, beim Alpabzug Flimserstein beginnt der Tag mit einem Bauernfrühstück, dem Buura Z'Morga.
Für die Tiere ist so ein Tag anstrengend, denn Menschenmengen und Asphalt kennen sie von der Alp nicht. Lass ihnen deshalb Platz und fass sie nicht an. Deinen Hund nimmst du am besten an die kurze Leine. Und zieh eine warme Schicht an, denn Herbstmorgen in den Bergen sind kühl, auch wenn es mittags warm wird.

Aus dem Almabtrieb ein Wochenende machen
Viele Almabtriebe fallen auf einen Samstag und beginnen am Vormittag. Wenn du schon am Freitag anreist, kannst du am Samstagmorgen in Ruhe frühstücken und bist trotzdem im Dorf, wenn die ersten Glocken zu hören sind. Bei Nomady findest du in vielen Alpenregionen Camps bei privaten Gastgeber:innen, zum Beispiel auf Bauernhöfen. Nach dem Fest bleibt dann noch ein Tag zum Wandern, bevor es wieder nach Hause geht.

Praktische Fragen zum Almabtrieb
Das hängt vom Anlass ab. Beim Alpabzug Flimserstein 2026 ist der Eintritt zum Beispiel frei, für das Bauernfrühstück am Morgen braucht es aber ein Ticket. Was an Marktständen und in der Festwirtschaft anfällt, zahlst du wie überall vor Ort. Die Details stehen beim jeweiligen Veranstalter, meist auf der Website der Gemeinde oder des Tourismusbüros.
Wenn es geht, mit Bahn oder Bus. Während der Umzüge sind Strassen oft gesperrt, in Urnäsch zum Beispiel 2026 die Strecke von der Schwägalp ins Dorf am Vormittag in eine Richtung. Die Veranstalter empfehlen dort die Anreise mit den Appenzeller Bahnen, für Autos gibt es Parkplätze mit Shuttlebus. Zum Alpabzug Flimserstein im Hochtal Bargis organisiert Postauto die Verbindungen. Mit dem Camper reist du am besten schon am Vortag an.
Ja, viele Feste haben ein eigenes Programm für Kinder, 2026 zum Beispiel Kinderspiele in Urnäsch und Kinderaktivitäten beim Alpabzug Flimserstein. Im Appenzellerland sind Kinder sogar Teil des Umzugs und begleiten oft die Ziegen an der Spitze. Plan mit kleinen Kindern trotzdem Pausen ein, denn zwischen zwei Herden kann es eine Weile dauern.
Die Tiere verbringen Herbst und Winter im Tal, auf den Weiden und in den Ställen ihrer Bauernfamilien. Beim Viehscheid im Allgäu werden sie dafür am Scheidplatz wieder ihren Besitzer:innen zugeteilt, denn auf einer Alpe grasen den Sommer über Tiere mehrerer Höfe gemeinsam. Im Frühling geht es dann wieder hinauf, beim Alpaufzug oder Almauftrieb.
Am zuverlässigsten bei den offiziellen Tourismusorganisationen: Schweiz Tourismus für die Schweiz, Oberallgäu Tourismus und die Alpenwelt Karwendel für Bayern, Tirol Werbung, SalzburgerLand und Vorarlberg Tourismus für Österreich. Bei kleinen Alpabfahrten lohnt sich ein Anruf beim Tourismusbüro vor Ort, weil manche Termine erst wenige Tage vorher feststehen.
Alle Regionen auf einen Blick
_Stand: 18. September 2026. Quellen: Allgäu GmbH, Oberallgäu Tourismus, Tourismusregion Berchtesgaden, Alpenwelt Karwendel, Tirol Werbung, SalzburgerLand Tourismus, Österreich Werbung, Vorarlberg Tourismus, Schweiz Tourismus, Appenzellerland Tourismus, Surselva Tourismus, Gstaad Saanenland Tourismus, Désalpe de Charmey, Sigriswil Tourismus, Schweizerischer Alpwirtschaftlicher Verband, swissinfo.ch, neo1.
Alle Angaben ohne Gewähr. Termine können sich wegen Wetter oder Trockenheit kurzfristig ändern, erkundige dich vor Ort._


























































































